Umgang mit Sonntagsbibel vorgestellt

Das Dekanat Nabburg lud zu einem Vortrag mit dem Umgang mit der Regensburger Sonntagsbibel ein.

Schmidgaden. Im Pfarrheim Schmidgaden konnte Dekan Michael Hoch mehr als 50 Besitzer der neuen Sonntagsbibel zu einem Vortrag mit einem der Initiatoren, Wolfgang Stöckl willkommen heißen. Sein besonderer Gruß galt dem Referenten, der ausführte. Über 11.000 Lektorinnen und Lektoren im Bistum haben Ende vergangenen Jahres mit der Regensburger Sonntagsbibel auf Initiative von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer ein im deutschsprachigen Raum einzigartiges Buch erhalten. Ein Team aus Mitarbeitern der Diözese hat das Buch in einem Zeitraum von drei Jahren erarbeitet. Die Regensburger Sonntagsbibel umfasst die Sonn- und Feiertage aller drei Lesejahre (A, B, C) mit den  Lesungen aus dem Alten und dem Neuen Testament sowie die Evangelien. Jeder Tag ist mit einem Bild aus der Diözese Regensburg illustriert. Sie stammen größtenteils aus Kirchen, Pfarrhöfen und Klöstern sowie aus den Kunstsammlungen der Diözese. Im Buch enthalten sind auch die jeweiligen Tagesgebete, in denen das Festgeheimnis bzw. Sonntagsgeheimnis enthalten ist. Auch Texte von Papst Benedikt zum jeweiligen Sonntag gibt es. Zumeist sind sie den Angelus-Ansprachen, Predigten und einigen Texten aus seinen theologischen Werken entnommen. Schließlich wird auch eine kleine Rubrik zum Nachdenken geboten, in der zwei Fragen stehen, deren Impulse auf das eigene Leben zu beziehen sind. Die Sonntagsbibel umfasst 960 Seiten. Ziel des Buches ist, sich auf Lesungen des Sonntags und der Feiertage im Kirchenjahr vorzubereiten und somit den Gottesdienst aktiver mitfeiern zu können. Lektorinnen und Lektoren können sich mit diesem Buch auf ihrem Dienst im Sonntagsgottesdienst vorbereiten. Es ist jeweils der vollständige Text der Lesung bzw. des Evangeliums mit den Sprechzeilen enthalten, so wie sie auch im Lektionar zu finden sind. Die Tradition der Familien- und Hausbücher soll hiermit wiederaufleben. Der klassische „Goffiné“ erklärte die Sonntagslesungen und -Evangelien und war im 18. und 19. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert weitverbreitet. Es galt als Hausbuch für die Familie und richtete sich nicht zuletzt auch an die Kinder in der Familie. Bischof Wilhelm Egger von Bozen-Brixen in Südtirol startete Anfang der 1990er Jahre eine ähnliche Initiative. Grundanliegen des Abends ist nicht nur den Aufbau und die Anwendung des Buches zu erläutern, sondern auch Lust auf das Buch zu machen.  Stöckl ging dabei von einem Bild in der Sonntagsbibel aus, in dem der Heilige Augustinus durch eine geheimnisvolle Stimme mit den Worten „Nimm und lies“ aufgefordert wurde, in der Bibel zu lesen und dadurch sein ganzes Leben verwandelt worden ist. Anhand der fünf Schritte „Beten – Lesen – Schauen – Nachdenken – Betrachten“ erklärte der Projektleiter Wolfgang Stöckl die einzelnen Elemente des Buches und damit den Ablauf einer Vor- oder Nachbereitung des Sonntags allein oder in der Familie. Jeder Tag beginnt mit dem jeweiligen Tagesgebet, dass der Priester im Eröffnungsteil der Heiligen Messe betet. Stöckl machte dabei auf die schönen und tiefen theologischen Gedanken aufmerksam, die in den Tagesgebeten enthalten sind und oft leider durch die Fülle der Texte in der Messe manchmal untergehen. Er empfahl, das Tagesgebet langsam zu lesen und gut zu durchdenken.

Als zweiter Schritt folgt das Lesen der einzelnen Schrifttexte. Grundsätzlich sollte es nicht darum gehen, alles im Detail verstehen zu wollen. Nicht wenige Bibelstellen sind sperrig oder schwierig zu erfassen. Es geht vielmehr darum, zu Beginn in einem kleinen Stoßgebet den Herrn zu bitten: Was willst du mir hier und jetzt sagen? Wenn man mit dieser Offenheit herangeht, wird man auf den Satz stoßen, der für die kommende Woche als Trost, Aufmunterung oder Aufforderung dienen kann. Die Bibel ist in der neuen revidierten Einheitsübersetzung abgefasst, die seit 2016 der verbindliche Bibeltext der katholischen Kirche im deutschsprachigen Raum ist.  Gegenüber der Übersetzung aus den 70er Jahren, die immer noch in den Gottesdiensten verwendet wird – das erste offizielle Lektionar mit dem neuen Text wird erst im Herbst dieses Jahrs erscheinen – wurden nur verhältnismäßig wenige Veränderungen vorgenommen. Es ging nicht darum, die Heilige Schrift in einem moderneren oder flüssigeren Deutsch zu übersetzen, sondern dem Urtext wieder mehr Bedeutung zu geben. Eine nicht unwesentliche Änderung ist, dass der Gottesname JHWH nicht mehr verwendet wird. Er ist im Judentum heilig und wird nicht ausgesprochen. Anstelle von JHWH wird in der neuen Übersetzung nun „HERR“ in Großbuchstaben verwendet. Stöckl erläuterte weiter die Struktur der Leseordnung und die Zuordnung der einzelnen Lesungen. Im dritten Schritt stellte Stöckl die Auswahl der Bilder der Kunstwerke vor. Mit über 250 großformatigen Bildern, die größtenteils neu fotografiert wurden, werden die einzelnen Tage illustriert. Jedes Bild stammt aus der Diözese und hat einen konkreten Bezug zu einer Lesung des entsprechenden Sonn- oder Feiertags.  Bei der Auswahl wurde streng darauf geachtet, dass alle Regionen des Bistums und alle Kunstrichtungen und Epochen vertreten sind. Die Bilder laden ein, die Aussagen der Lesungen oder des Evangeliums mit den Mitteln der Kunst zu entdecken. Aus dem südlichen Landkreis Regensburg sind z.B. Bilder aus Sengkofen, Scheuer, Donaustauf und Aufhausen enthalten. Jeder Tag enthält zudem zwei „Impulse zum Nachdenken“. Anhand von kurzen Schriftstellen, die auf konkrete Lebensumstände bezogen werden, kann der Leser und die Leserin Glaubensaussagen für den Alltag umsetzen. Der letzte Schritt sind die Texte von Papst em. Benedikt XVI. Jeder Tag schließt mit einem Auszug aus einer Ansprache zum sonntäglichen Engel des Herrn oder einer Predigt aus seiner Amtszeit. Papst Benedikt hat an jedem Sonntag, egal zu welchem Anlass, immer zu den biblischen Texten gepredigt.

Richard Altmann

 

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